30 Dezember, 2008

Das Spiel der Lüste. Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault. Rezensiert.

Rezensiert von Zara Pfeiffer

Das Spiel der Lüste. Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault„Je offener das Spiel ist, desto verlockender und faszinierender ist es.“ (Michel Foucault)

Die Frage nach der Identität und Sexualität Michel Foucaults ist ebenso faszinierend wie voyeuristisch. Spiegelt sich das theoretische Spiel der Kräfteverhältnisse seiner Machtanalyse in den konkreten Machtspielen der SM Clubs von San Francisco? Zweifellos ist die Theorie Foucaults nicht von der der Person und dem Leben Michel Foucaults zu trennen, eine einseitige Konzentration auf das Leben unter Vernachlässigung der Theorie würde ihren anfänglichen Reiz jedoch sicher schnell verlieren.
Der Sammelband Das Spiel der Lüste. Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault herausgegeben von Marvin Chlada und Marc-Christian Jäger widersteht der kurzfristigen Verlockung und stellt die Theorie Michel Foucaults ins Zentrum des Interesses ohne sein Leben auszublenden.

Eröffnet wird „Das Spiel der Lüste“ von Marc-Christian Jäger mit einer umfassenden und nicht nur für Foucault-Neulinge empfehlenswerten Einführung in Michel Foucaults Machtbegriff. Das Fußnoten-Feuerwerk des Textes – 539 auf 45 Seiten – des Textes irritiert beim Lesen bisweilen, enthält aber für interessierte Leser_innen spannende Verweise und Quellenangaben.
Der darauf folgende Abriss Die Sorge um sich selbst von Anette Schlemm zur Frage der Lebenskunst vor dem Hintergrund der Selbstsorge und der foucaultschen Subjektkonstitution ist dagegen leider etwas dünn geraten, was möglicherweise der Kürze des Textes von knapp 4 Seiten geschuldet ist. In dem nicht ganz leicht zu lesenden Beitrag Lüste des Körpers oder Begehren ohne Organe? beschäftigt sich Marvin Chlada mit Foucaults Kritik des Wunschbegriffs wie er unter anderem von Gilles Deleuze und Félix Guattari formuliert wurde: So wie Foucault die Befreiung von der Macht nicht als das Gegenteil, sondern als integralen Bestandteil der Macht begreife, so geht es ihm nicht darum Wunsch und Begehren zu befreien, sondern darum mit Körpern und die Lüsten zu experimentieren und andere Körper und Lüste zu genießen. Jürgen Mümken fragt in Wer bin ich? – Was bin ich? ausgehend von den Begriffen sexuelle Identität, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität nach der Bedeutung von Identität und Geschlecht in den Werken von Max Stirner und Michel Foucault und stellt diese einander gegenüber. In Ordnungen des Sexuellen zeichnet Marc-Christian Jäger vor dem Hintergrund von Foucaults Rezeption von de Sade und Georges Bataille Foucaults Unterscheidung von sadistischer Disziplinarmacht und SM-Subkultur nach. Das Spiel der Lüste endet mit dem Text Vom Begehrens-Subjekt zum unternehmerischen Selbst von Andrea D. Bührmann, in dem diese den Weg vom Begehrens-Subjekt hin zu einem neoliberalen unternehmerischen Selbst nachzeichnet. Bührmann betont, dass der von Foucaults Gouvernementalitätsvorlesungen inspirierte Blick der Governmentality-Studies eine ent-naturalisierende und ent-ontologisierende Perspektive auf gegenwärtige Individualisierungsprozesse und Subjektivierungsweisen ermöglicht.

Die von Foucault aufgeworfene Frage nach dem Verhältnis von Sexualität, Identität und Macht wird in Das Spiel der Lüste aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dass die darin enthaltenen Aufsätze hinsichtlich Länge, Lesbarkeit, Tiefe und Anspruch sehr heterogen sind, ist sowohl Stärke und Schwäche des Bandes, der sich vor allem gut für einen ersten Einstieg in das Denken Michel Foucaults eignet. Anzumerken bleibt außerdem, dass die eigene Lesepraxis durch den wenig strapazierfähigen Umschlag etwas zu deutlich dokumentiert wird.

Marvin Chlada/Marc-Christian Jäger: Das Spiel der Lüste. Sexualität, Identität und Macht bei Michel Foucault, Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2008. 156 Seiten, 16,- Euro. ISBN 3-86569-031-9

21 Dezember, 2008

Heterotopien – mit den Schiffen träumen

„In der Kolonie haben wir eine Heterotopie, die gleichsam naiv genug ist, eine Illusion verwirklichen zu wollen. Im Freudenhaus haben wir dagegen eine Heterotopie, die subtil und geschickt genug ist, die Wirklichkeit allein durch die Kraft der Illusion zerstreuen zu wollen. Und bedenkt man, dass Schiffe, die großen Schiffe des 19. Jahrhunderts, ein Stück schwimmender Raum sind, Orte ohne Ort, ganz auf sich selbst angewiesen, in sich geschlossen und zugleich dem endlosen Meer ausgeliefert, die von Hafen zu Hafen, von Wache zu Wache, von Freudenhaus zu Freudenhaus bis in die Kolonien fahren, um das Kostbarste zu holen, was die eben beschriebenen Gärten zu bieten haben, dann wird deutlich, warum das Schiff für unsere Zivilisation zumindest seit dem 16. Jahrhundert nicht nur das wichtigste Instrument zur wirtschaftlichen Entwicklung gewesen ist, sondern auch das größte Reservoir für die Fantasie. Das Schiff ist die Heterotopie par excellence. Zivilisationen, die keine Schiffe besitzen, sind wie Kinder, deren Eltern kein Ehebett haben, auf dem sie spielen können. Dann versiegen ihre Träume. An die Stelle des Abenteuers tritt dort die Bespitzelung und an die Stelle der glanzvollen Freubeuter die häßliche Polizei."
[Michel Foucault: Die Heterotopien]

13 Dezember, 2008

Michel Foucault: Macht und Freiheit

Wenn der Widerstand auch Teil der Macht ist und diese möglicherweise stärkt, ohne dass wir das überhaupt bemerken, wie ist dann überhaupt noch politisch widerständiges Handeln möglich? An dieser Frage hing die Diskussion beim ersten Lesen von „Der Wille zum Wissen“ mit dem Gefühl jeder Schritt würde uns zwangsläufig noch tiefer in die Machtnetze verstricken.
Naja, das erst Lesen und die verzweifelte Erkenntnis liegen jetzt auch schon einige Jahre zurück. Die theoretische Ratlosigkeit und Handlungsunfähigkeit, war sicher nicht ganz unwichtig für das Hinterfragen der eigenen Handlungen.

„Man sollte außerdem beachten, dass es Machtbeziehungen nur in dem Maße geben kann, in dem die Subjekte frei sind. Wenn einer von beiden vollständig der Verfügung des anderen unterstünde und zu dessen Sache geworden wäre, ein Gegenstand, über den dieser schrankenlose und unbegrenzte Gewalt ausüben könnte, dann gäbe es keine Machtbeziehungen. Damit eine Machtbeziehung bestehen kann, bedarf es also auf beiden Seite einer bestimmten Form von Freiheit. Selbst wenn die Machtbeziehung völlig aus dem Gleichgewicht geraten ist, wenn man wirklich sagen kann, dass der eine alle Macht über den anderen besitzt, so lässt sich die Macht über den anderen nur in dem Maße ausüben, in dem diesem noch die Möglichkeit bleibt, sich zu töten, aus dem Fenster zu springen oder den anderen zu töten. Das heißt, dass es in Machtbeziehungen notwendigerweise Möglichkeiten des Widerstands gibt, denn wenn es keine Möglichkeit des Widerstands - gewaltsamer Widerstand, Flucht, List, Strategien, die die Situation umkehren - gäbe, dann gäbe es überhaupt keine Machtbeziehungen. Vor diesem allgemeinen Hintergrund weigere ich mich, die Frage zu beantworten, die man mir manchmal stellt: „Aber wenn die Macht überall ist, dann gibt es keinen Widerstand.“ Ich antworte: Wenn es Machtbeziehugen gibt, die das gesamte soziale Feld durchziehen, dann deshalb, weil es überall Freiheit gibt. Jetzt gibt es in der Tat Herrschaftszustände. In sehr vielen Fällen sind die Machtbeziehungen derart verfestigt, dass sie auf Dauer asymmetrisch sind und der Spielraum der Freiheit äußerst beschränkt ist. [...] In einer solchen Situation der Herrschaft muss man auf all diese Fragen je nach dem Typus und der genauen Form der Herrchaft jeweils auf spezifisch Weise antworten. Die Behauptung jedoch: „Sehen Sie, die Macht ist überall, folglich gibt es keinen Platz für die Freiheit“, scheint mir absolut unangemessen. Mann kann mir nicht die Vorstellung zuschreiben, dass Macht ein Herrschaftssysem darstellt, das alles kontrolliert und keinerlei Raum für Freiheit lässt.“
[Michel Foucault: Die Ethik der Sorge um sich als Praxis der Freiheit, Dits et Ecrits IV]

07 Dezember, 2008

Debatte Foucault vs Chomsky

Macht und Gerechtigkeit. Ein Streitgespräch zwischen Michel Foucault und Noam ChomskyDie Debatte zwischen Michel Foucault und Noam Chomsky aus dem Jahr 1971, die von Fons Elders moderiert und im niederländischen Fernsehen unter dem Titel „Über die Natur des Menschen: Gerechtigkeit versus Macht“ ausgestraht wurde, ist jetzt von orange press unter dem Titel „Macht und Gerechtigkeit. Ein Streitgespräch zwischen Michel Foucault und Noam Chomsky“ veröffentlicht worden.

Die Behauptung „orange-press legt dieses eindrucksvolle Dokument neuerer Philosophiegeschichte nun zum ersten Mal auf Michel Foucault: Dits et Ecrits II
Deutsch vor“ stimmt allerdings nicht ganz (umso enttäuschender, wenn diese einfach abgeschrieben wird, wie von Adi Quarti in der ak). Da hat man sich wohl die Mühe gespart, die „Dits et Ecrits“ von Foucault durchzublättern, die auf deutsch im Suhrkamp Verlag erschienen sind. Im zweiten Band unter der Nummer 132 kann das Gespräch der beiden ebenfalls nachgelesen werden (und das schon seit 2002!). Naja. Einfacher als die „Dits et Ecrits“ zu stemmen (und auch billiger) ist die Ausgabe von orange press aber allemal und lesen - egal wo - lohnt sich. Versprochen.

Und wer das ganze nicht nur lesen, sondern auch mal sehen will, kann das hier.

22 November, 2008

Freiheit als Bedingung der Machtausübung

"Vielleicht eigenet sich ein Begriff wie Führung gerade kraft seines Doppelsinns gut dazu, das Spezifische an den Machtverhältnissen zu erfassen. 'Führung' ist zugleich die Tätigkeit des 'Anführens' anderer [...] und sie Weise des Sich-Aufführens in einem mehr oder weniger offenen Feld von Möglichkeiten. Machtausübung besteht im 'Führen der Führungen' und in der Schaffung der Wahrscheinlichkeit. Im Grund ist Macht wengier von der Art der Konfrontation zweier Gegner oder der Verpflichtung des einen gegenüber dem anderen, als von der 'Regierung'. Man muß diesem Wort die sehr weite Bedeutung lassen, die es im 16. Jahrhundert hatte. Es bezog sich nicht nur auf politische Strukturen und auf die Verwaltung von Staaten, sondern bezeichnete die Weise, in der das Benehmen von Individuen oder Gruppen gelenkt wurde: Regierung der Kinder, der Seelen, der Gemeinden, der Familien, der Kranken. Es deckte nicht bloß eingesetze und legitime Formen der politischen oder wirtschaftlichen Unterwerfung ab, sondern auch mehr oder weniger bedachte und berechnete Handlungsweisen, die dazu bestimmt waren, auf die Handlungsmöglichkeiten anderer Individuen einzuwirken. Regieren heißt in diesem Sinne, das Feld eventuellen Handelns der anderen zu strukturieren. Die der Macht eigene Verhältnisweise wäre somit weder auf seiten der Gewalt und des Kampfes, noch auf seiten des Vertrags und der Willensbande (die allenfalls ihre Instrumente sein können) zu suchen, vielmehr auf seiten dieser einzigartigen, weder kriegerischen noch juridischen Weise des Handelns: des lenkend einwirkenden Regierens.
Wenn man Machtausübung als eine Weise der Einwirkung auf die Handlungen anderer definiert, wenn man sie durch das 'Regieren' - im weitesten Sinn dieses Wortes - der Menschen untereinander kennzeichnet, nimmt man ein wichtiges Element mit hinein: das der Freiheit. Macht wird nur auf 'freie Subjekte' ausgeübt und nur sofern diese 'frei' sind."
[Michel Foucault: Dits et Ecrits]

20 November, 2008

Ja sagen zur Begierde als Regierungstechnik

„Die Begierde – ein alter Begriff, der seinen Auftritt und seine Anwendung in der Gewissensführung hatte [...], die Begierde hat jetzt einen zweiten Auftritt im Inneren der Macht und Regierungstechniken. Alle Individuen handeln auf Grund der Begierde. Einer Begierde, gegen die man nichts tun kann. [...] Versucht nicht, sie zu ändern, das läßt sich nicht ändern. Doch – und an diesem Punkt prägt diese Naturalität der Begierde der Bevölkerung und wird für die gouvernementale Technik durchdringbar – diese Begierde ist, aus Gründen, auf die zurückzukommen wäre und die eines der wichtigen theoretischen Elemente es gesamten Systems bilden, diese Begierde ist derart, daß sie, wenn man ihr die Möglichkeit der Entfaltung läßt, in gewissen Grenzen und dank einer gewissen Anzahl von Bezugsrahmen und Verbindungen insgesamt, den allgemeinen Nutzen für die Bevölkerung hervorbringt. [...] Die Hervorbringung des Kollektivinteresses durch das Spiel der Begierde. Dies prägt zugleich die Naturalität der Bevölkerung und die mögliche Artifizialität der Mittel, die einem gegeben sind, um sie zu verwalten.“

Die Idee Bevölkerungen ausgehend von der Naturalität der Begierde zu verwalten ist
„[...] der alten ethisch juridischen Konzeption der Regierung und der Ausübung der Souveränität vollkommen entgegengesetzt. [...] Der Souverän ist derjenige, der fähig ist, nein zur Begierde eines jeden Individuums zu sagen, wobei das Problem darin liegt, zu wissen, wie dieses der Begierde der Individuen entgegengesetzte ‚Nein' legitim und auf den Willen dieser Individuen selbst gegründet werden kann. [...] Das Problem derjenigen, die regieren, darf es absolut nicht sein, zu erfahren, wie sie nein sagen können, bis wohin sie nein sagen können, mit welcher Berechtigung sie nein sagen können. Das Problem ist, zu wissen, wie ja sagen zu dieser Begierde. Also nicht die Eingrenzung der Konkupiszenz oder die Eingrenzung der Eigenliebe im Sinne von Liebe seiner selbst, sondern im Gegenteil all das, was diese Eigenliebe, diese Begierde derart anregt und begünstigt, daß sie tatsächlich die wohltuenden Wirkungen hervorbringen kann, die sie notwendigerweise hervorbringen muß.“

„Es gibt also keine Menge von juridischen Subjekten, sei es individuell oder kollektiv, mit einem souveränen Willen. Die Bevölkerung ist eine Gesamtheit von Elementen, in deren Innerem man Konstanten und Regelmäßigkeiten bis in die Ereignisse hinein feststellen kann, in deren Innerem man das Universelle der Begierde orten kann, die regelmäßig den Nutzen aller hervorbringt und für die man eine gewisse Anzahl von Variablen ausweisen kann, von denen sie abhängt und die geeignet sind, sie zu modifizieren.“
[Michel Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität 1]

04 Oktober, 2008

Foucault über Bachelard

Mit freundlicher Übersetzungshilfe aus Paris (Danke!) und nach einigem Suchen konnte ich dieses Video endlich einem Artikel in den Dits et Ecrits zuordnen:




"An Bachelard verblüfft mich besonders, dass er gewissermaßen gegen seine eigene Kutlur mit seiner eigenen Kultur spielt. In der traditionellen Lehre - und nicht nur in der traditionellen Lehre, in der Kultur, die wir empfangen - gibt es eine gewisse Anzahl feststehender Werte, Dinge, die man sagen muss, und andere, die man nicth sagen darf, Werke, die zu schätzen, und dann wieder andere, die zu vernachlässigen sind, es gibt die Großen und die Kleinen und zuletzt die Hierarchie, diese ganze himmlische Welt mit ihren Thronen, Herrschaften, Engeln und Erzengeln! ... All das ist äußerst hierarchisch verfasst. Nun Bachelard macht sich von diesem ganzen Komplex von Werten frei, und er macht sich davon frein, indem er alles liest und alles gegen alles antreten lässt.
Er erinnert, wenn Sie so wollen, an jene geschickten Schachspieler, die es schaffen, mit den kleinen Bauern die großen Figuren zu schlagen. Bachelard scheut nicht davor zurück, einen Philosophen minderen Ranges oder einen Wissenschaftler ... jawohl, einen Wissenschaftler, einen etwas... etwas unvollkommenen oder versponnenen Wissenschaftler des 18. Jahrhunderts Descartes gegenüberzustellen. Er scheut nicht davor zurück, in ein und derselben Analyse die größten Dichter und dann wieder einen kleinen zweitrangigen Autor zu behandeln [...]"
[Michel Foucault: Dits et Ecrits II, 111]


Michel Foucault und Noam Chomsky

21 September, 2008

Michel Foucault: Das Spiel der Grenzen und der Überschreitung

„Die Überschreitung ist eine Geste, die die Grenze betrifft; dort, in dieser Schmalheit der Linie, zeigt sie sich blitzartig als Übergang, vielleicht aber auch in ihrem gesamten Verlauf und sogar in ihrem Ursprung. Die Strichlinie, die sie kreuzt, könnte durchaus ihr ganzer Raum sein. Das Spiel der Grenzen und der Überschreitung scheint von einer schlichten Beharrlichkeit beherrscht: Die Überschreitung durchbricht eine Linie und setzt unaufhörlich aufs Neue an, eine Linie zu durchbrechen, die sich hinter ihr sogleich wieder in einer Welle verschließt, die kaum eine Erinnerung zulässt und dann von neuem zurückweicht bis an den Horizont des Unüberschreitbaren. Doch bringt dieses Spiel weit mehr in Spiel als diese Elemente; es versetzt sie in eine Ungewissheit, in Gewissheiten, die sogleich verkehrt werden, wo das Denken rasch Schwierigkeiten bekommt, wenn es sie fassen will.
Die Grenze und die Überschreitung verdanken einander die Dichte ihres Seins: Eine Grenze, die absolut nicht überquert werden könnte, wäre inexistent; umgekehrt wäre eine Überschreitung, die nur eine scheinbare oder schattenhafte Grenze durchbrechen würde, nichtig. Doch existiert die Grenze überhaupt ohne die Geste, die sie stolz durchquert und leugnet? Was wäre sie danach und was könnte sie davor sein? Und schöpft die Überschreitung nicht alles aus, was sie in dem Augenblick ist, an dem sie die Grenze überquert und nirgendwo sonst ist als in diesem Punkt der Zeit? Ist nun aber dieser Punkt, diese eigentümliche Überkreuzung von Wesen, die außerhalb von ihm nicht existieren, sondern in ihm vollständig austauschen, was sie sind, nicht genau all das, was überhall über ihn hinausgeht? Er verfährt als Verherrlichung dessen, was er ausschließt; die Grenze öffnet sich gewaltsam auf das Unbegrenzte hin, erfährt sich plötzlich von dem von ihr verworfenen Inhalt mitgerissen und von einer eigentümlichen Fülle vollendet, die bis in ihr Innerstes dringt. Die Überschreitung treibt die Grenze bis an die Grenze ihres Seins; sie bringt sie dazu, im Moment ihres drohenden Verschwindens aufzuwachen, um sich in dem wiederzufinden, was sie ausschließt (genauer vielleicht, sich darin zum ersten Mal zu erkennen), und um ihre tatsächliche Wahrheit in der Bewegung ihres Untergangs zu erfahren. Und dennoch, woraufhin entfesselt sich die Überschreitung in dieser Bewegung reiner Gewalt, wenn nicht auf dasjenige, was sie fesselt, auf die Grenze und auf das, was sich darin eingeschlossen findet? Wogegen richtet sich ihr Einbruch, und welcher Leere verdankt sie die freie Fülle ihres Seins, wenn nicht genau dem, was sie mit ihrer gewaltsamen Geste überquert und was sie in dem Strich, den sie austilgt, zu durchkreuzen wählt?
Die Überschreitung ist somit nicht für die Grenze, was das Schwarze für das Weiße, das Verbotene für das Erlaubte, das Äußere für das Innere, das Ausgeschlossene für den geschützten Raum der festen Bleibe ist. Sie ist ihr eher durch ein bohrendes Verhältnis verbunden, mit dem kein einfacher Einbruch zu Rande kommen kann. Vielleicht ist Überschreitung so etwas wieder Blitz in der Nacht, der vom Grunde der Zeit dem, was sie verneint, ein dichtes und schwarzes Sein verleiht, es von innen heraus und von unten bis oben erleuchtet und dem er dennoch seine Einzigartigkeit verdankt. Er verliert sich in dem Raum den sie in ihrer Souveränität bezeichnet, und verfällt schließlich in Schweigen, nachdem er dem Dunkel einen Namen gab.
Um diese so reine und so verwickelte Existenz zu denken, sie von sich aus und in dem von ihr hervorgehobenen Raum zu denken, muss man sie aus ihren zweifelhaften Verwandtschaften mit der Ethik herauslösen und sie vom Skandalösen oder Subversiven befreien, das heißt von dem, was von der Macht des Negativen beseelt ist. Die Überschreitung ist eine Gegenüberstellung von nichts mit nichts, sie lässt nichts lächerlich werden, versucht nicht, die Tragfähigkeit der Fundamente zu erschüttern; sie unternimmt nichts, um der anderen Seite des Spiegels jenseits der unsichtbaren und unüberwindlichen Linie zu neuem Glanz zu verhelfen. Eben weil sie weder Gewalt in einer geteilten Welt ist (in einer ethischen Welt) noch Triumph über die Grenzen, die sie auslöscht (in einer dialektischen oder revolutionären Welt), macht sie sich im Inneren der Grenze das maßlos Maß der Distanz zu Eigen, die sich dort eröffnet und den leuchtenden Strich zieht, der sie sein lässt. Nichts ist in der Überschreitung negativ. Sie bejaht das begrenzte Sein, sie bejaht dieses Unbegrenzte, in das sie hineinspringt und erstmals für die Existenz öffnet. Dennoch kann man sagen, dass diese Bejahung nichts Positives hat: Kein Inhalt kann sie binden, da per definitionem keine Grenze sie zurückhalten kann. Vielleicht ist sie nichts anderes als die Bejahung der Teilung. Allerdings sollte man dieses Wort von allem entlasten, was an die Geste des Bruchs oder and die Herbeiführung einer Trennung oder an das Maß einer Abweichung erinnern kann und ihr allein das lassen, was in ihr das Sein der Differenz bezeichnen kann.“

[Foucault, Michel: Dits et Ecrits I]

18 September, 2008

Michel Foucault: angenommen der Wahnsinn existiert nicht


Nichtexistenz als Methode?

Michel Foucault in der Vorlesung vom 10. Januar 1979:
"Die Methode bestand darin, zu sagen: Angenommen, der Wahnsinn existiert nicht. Was ist dann die Geschichte, die man anhand dieser verschiedenen Ereignisse, dieser verschiedenen Praktiken schreiben kann, die sich anscheinend um diese unterstellte Sache, den Wahnsinn, gruppieren? Ich möchte hier also genau das Gegenteil des Historizismus tun. Also nicht die Universalien befragen, indem ich als kritische Methode die Geschichte verwende, sondern von der Entscheidung der Nichtexistenz der Universalien ausgehen, um die Frage zu stellen, was für eine Geschichte man schreiben könnte."
[Michel Foucault: die Geburt der Biopolitik]

Der foucaultsche Werkzeugkasten

17 September, 2008

Michel Foucault: die Grenze unseres Denkens

"Dieses Buch hat seine Entstehung einem Text von Borges zu verdanken. Dem Lachen, das bei seiner Lektüre alle Vertrautheiten unseres Denkens auftrüttelt, des Denkens unserer Zeit und unseres Raumes, das alle geordneten Oberflächen und Pläne erschüttert, die für uns die zahlenmäßige Zunahme der Lebewesen klug erscheinen lassen und unsere tausendjährige Handhabung des Gleichen und des Anderen [...] schwanken läßt und in Unruhe versetzt. Dieser Text zitiert 'eine gewisse chinesische Enzyklopädie', in der es heißt, daß 'die Tiere sich wie folgt grupperen: a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Trolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen'. Beim Erstaunen über diese Taxionomie erreicht man mit einem Sprung, was in dieser Aufzählung uns als der exotische Zauber eines anderen Denkens bezeichnet wird - die Grenze unseres Denkens: die schiere Unmöglichkeit, das zu denken."
[Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge]

13 September, 2008

Michel Foucault: sich selbst verwandeln

"Ich kümmere mich in keiner Weise um den universitären Status dessen, was ich tue, weil mein Problem meine eigene Verwandlung ist. Das ist auch der Grund, warum ich, wenn die Leute zu mir sagen: 'Vor einigen Jahren dachten Sie jenes, und jetzt behaupten Sie etwas anderes', antworte: 'Glauben Sie, dass ich während all dieser Jahre so viel gearbeitet habe, um dasselbe zu sagen und nicht verwandelt zu werden?' Diese Selbstverwandlung durch das eigene Wissen ist, glaube ich, etwas, das der ästhetischen Erfahrung recht nahe ist. Warum würde ein Maler arbeiten, wenn er nicht durch seine Malerei verwandelt wird?"
[Michel Foucault: Dits et Ecrits IV]

Michel Foucault: an die eigene Identität gefesselt

"Das Hauptziel dieser Kämpfe ist nicht so sehr der Angriff auf diese oder jene Machtinstitution, Gruppe, Klasse oder Elite, sondern vielmehr auf eine Technik, eine Form von Macht. Diese Form von Macht wird unmittelbar im Alltagsleben spürbar, welches das Individuum im Kategorien einteilt, ihm seine Individualität aufprägt, es an seine Identität fesselt, ihm ein Gesetz der Wahrheit auferlegt, das es anerkennen muß und das andere in ihm anerkennen müssen. Es ist eine Machtform, die aus Individuen Subjekte macht. Das Wort Subjekt hat einen zweifachen Sinn: vermittels Kontrolle und Abhängigkeit jemanden unterworfen sein und durch Bewußtsein und Selbsterkenntnis seiner eigenen Identität verhaftet sein. Beide Bedeutungen unterstellen eine Form von Macht, die einen unterwirft und zu jemandes Subjekt macht.
Allgemein kann man sagen, daß es drei Typen von Kämpfen gibt: die gegen Formen der (ethische, sozialen und religiösen) Herrschaft; die gegen Formen der Ausbeutung, die das Individuum von dem trennen, was es produziert; die gegen all das, was das Individuum an sich selber fesselt und dadurch anderen unterwirft (Kämpfe gegen Subjektivierung, gegen Formen von Subjektivitänt und Unterwerfung)."

[Michel Foucault: Warum ich die Macht untersuche: Die Frage des Subjekts]

09 September, 2008

Michel Foucault: dazu verdammt die Wahrheit zu gestehen ...

Michel Foucault in der Vorlesung vom 14. Januar 1976 über das Verhältnis von Macht und Wahrheit:

"Wir sind gezwungen, Wahrheit mit Hilfe der Macht, die diese Wahrheit verlangt und zu ihrem Funktionieren benötigt, zu produzieren; wir müssen die Wahrheit sagen, wir werden dazu gezwungen, wir sind dazu verdammt, die Wahrheit zu gestehen oder sie zu finden. Die Macht hört nicht auf zu fragen, uns zu befragen; sie hört nicht auf zu untersuchen, zu registrieren; sie institutionalisiert die Suche nach der Wahrheit, professionalisiert sie und entschädigt dafür. Wir müssen die Wahrheit produzieren, wie wir Reichtümer produzieren müssen, ja, wir müssen die Wahrheit produzieren, um Reichtümer produzieren zu können. Und andererseits sind wir auch der Wahrheit unterworfen, in dem Sinne, daß die Wahrheit Gesetz macht; es ist der wahre Diskurs, der zumindest teilweise entscheidet und Machtwirkungen mit sich führt und vorantreibt. Schließlich werden wir beurteilt, verurteilt, klassifiziert und zu Aufgaben gezwungen, wird uns eine bestimmte Art zu leben oder zu sterben entsprechend wahrer Diskurse mit spezifischen Machtwirkungen auferlegt."
[Michel Foucault: In Verteidigung der Gesellschaft]

06 September, 2008

Text als Hirnoperation

Das mit dem Verkohlen hat wohl nicht so recht geklappt. Im Gegenteil, nach den Dits et Ecrits sind jetzt auch noch alle Ihre Vorlesungen veröffentlicht worden. Gemein? Ich weiß nicht, immerhin liegen Sie in der Kiste.
Operationsmesser in meinem Hirnstollen hin und wieder, wenn ich Texte von Ihnen lese, manchmal auch Feuerwerke. Mit dem Verkohlen bin ich allerdings nicht einverstanden. Aber vielleicht meint Verkohlen auch etwas anderes, kein Original. Zitiertes Verkohlen? Lesen und nicht darauf rumreiten, welches die beste, genaueste oder richtigste Interpretation des Textes ist, sondern lesen und sich inspirieren lassen. Werkzeugkiste eben ...
Fehlt noch die Frage nach dem wirklichen Kampf. Was das Schreiben angeht, haben Sie vollkommen recht, deshalb genug für heute.

27 August, 2008

Michel Foucault über das Schreiben von Molotowcocktails

Michel Foucaults Antwort auf die Frage von Jean-Louis Ezine ob er sich nicht gefalle in einem gewissen Negativismus:

"Ja, ich finde großen Gefallen daran. Die Bourgeoisie ist ja keineswegs so dumm und verschlafen, wie Baudelaire gedacht hat. Die Bourgeoisie ist intelligent, scharfsichtig und berechnend. Keine Herrschaftsform war jemals so fruchtbar und damit so gefährlich, so tief eingewurzelt wie die ihrige. Wenn man ihr laute Anklagen entgegenschleudert, wird sie nicht umfallen; sie wird nicht verlöschen wie eine Kerze, die man ausbläst. Das rechtfertigt eine gewisse Traurigkeit. Umso mehr gilt es, in den Kampf soviel Fröhlichkeit, Helligkeit und Ausdauer wie nur möglich hineinzutragen. wirklich traurig wäre, sich nicht zu schlagen ..
Im Grunde will ich gar nicht schreiben. Schreiben ist eine sehr schwer zu überstehende und übersteigerte Tätigkeit. Das Schreiben interessiert mich nur, sofern es sich als Instrument, Taktik, Erhellung in einem wirklichen Kampf einfügt. Ich möchte, daß meine Bücher so etwas wie Operationsmesser, Molotowcocktails oder unterirdische Stollen sind und daß sie nach dem Gebrauch verkohlen wie Feuerwerke…"
[Michel Foucault: Die fröhliche Wissenschaft des Judo; auch Dits et Ecrits]

kommentiert

23 August, 2008

Der Foucaultsche Werkzeugkasten

Das erste Kapitel aus meiner Magisterarbeit [Die Machtsysteme demontieren ... Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität]

„Ich könnte Ihnen sagen ..." [1]

Im Krebsgang …
Foucaults Werk wird häufig als fragmentarisch, wenn nicht sogar als zerrissen und widersprüchlich beschrieben und auch Foucault selbst bestätigt, dass dieser Eindruck entstehen kann. Am 31. Januar 1979, während einer Vorlesung am Collège de France, sagt er zu seinem methodischen Vorgehen: „[…] denn, wie Sie wissen, bin ich wie ein Krebs, ich bewege mich seitwärts […].“[2] Dies macht es in der Tat manchmal nicht ganz einfach, einen roten Faden zu finden. Aus der Nähe betrachtet, wirken seine Bücher manchmal wie unzusammenhängende Spuren. Statt sich aufeinander zu beziehen, scheinen sie beziehungslos nebeneinander zu stehen und sich bisweilen sogar zu widersprechen. Fink-Eitel geht in seiner Einführung zu Foucault sogar so weit, zu bemerken, dass man, wenn man es nicht wüßte, die Bücher Foucaults „[…] für die Werke verschiedener Autoren halten könnte […].“[3] Während der Vorlesung vom 7. Januar 1976 erklärt Foucault diesen Eindruck folgendermaßen:

„Was mich betrifft, so kam ich mir wie ein Fisch vor, der aus dem Wasser hochspringt und auf der Oberfläche eine kleine, kurze Schaumspur hinterläßt und der glauben machen will oder glauben möchte oder vielleicht tatsächlich selbst glaubt, daß er weiter unten, dort, wo man ihn nicht mehr sieht, wo er von niemandem bemerkt oder kontrolliert wird, einer tieferen, kohärenteren, vernünftigeren Bahn folgt.“
[4]

Tatsächlich sind Foucaults Bücher mehr als nur Fragmente, es gibt einen roten Faden, der sich durch sein Werk zieht, auch wenn dieser nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen ist. Um die Bahn, der er folgt, sehen zu können, ist es allerdings notwendig, aus einiger Entfernung auf die Schaumspur zu blicken, die seine einzelnen Bücher hinterlassen haben. Dass sich Foucaults Schwerpunktsetzungen und theoretische Positionen im Laufe der Jahre verschieben, ist weniger ein Indiz dafür, dass sein Vorgehen und seine Positionen inkohärent sind, als Zeichen einer fortwährenden Entwicklung. Er schwimmt nicht auf der Stelle, sondern er folgt unter der Oberfläche einer Bahn, was an den Schaumspuren, die seine Bücher hinterlassen, sichtbar wird. Seinen Kritikern stellt er die Frage: „Glauben Sie, dass ich während all dieser Jahre so viel gearbeitet habe, um dasselbe zu sagen und nicht verwandelt zu werden?“
[5] Und in einem Gespräch mit Rux Martin vom Oktober 1982 bemerkt er:

„Das Wichtigste im Leben und in der Arbeit ist, etwas zu werden, das man am Anfang nicht war. Wenn Sie ein Buch beginnen und wissen schon am Anfang, was Sie am Ende sagen werden, hätten Sie dann noch den Mut, es zu schreiben? Was für das Schreiben gilt und für eine Liebesbeziehung, das gilt für das Leben überhaupt. Das Spiel ist deshalb lohnend, weil wir nicht wissen, was am Ende dabei herauskommen wird.“
[6]

Versucht man sein Gesamtwerk vor diesem Hintergrund zu systematisieren, dann erscheint es schlüssig, es in verschiedene chronologisch aufeinanderfolgende Phasen einzuteilen: die Archäologie in den 1960er Jahren, die Genealogie in den 1970er Jahren und die Subjekttheorie in den 1980er Jahren.[7] Während der archäologischen Phase entwickelt Foucault seine Diskurstheorie und konzentriert sich auf die Analyse diskursiver Formationen. Im Zentrum seiner Analysen steht die Aussage, ihre politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen vernachlässigt er. Diese treten während der genealogischen Phase in den Vordergrund, während der Foucault sich auf die Analyse der Machtmechanismen und ihr Verhältnis zu den Wissensformen konzentriert. Während der subjekttheoretischen Phase befasst er sich schließlich mit der Ethik des Selbst: Subjektivierungsformen, Selbstführungskonzepte und das Verhältnis von Macht und Subjektivität rücken während dieser Phase in den Mittelpunkt seines Interesses.
Ordnet man die zu Lebzeiten veröffentlichten Hauptwerke Foucaults den jeweiligen Phasen zu, dann gehören Wahnsinn und Gesellschaft
[8], Die Geburt der Klinik[9], Die Ordnung der Dinge[10] und die Archäologie des Wissens[11] zur archäologischen oder diskurstheoretischen Phase. Das aus der Antrittsvorlesung Foucaults am 2. Dezember 1970 anlässlich seiner Berufung auf den Lehrstuhl für Geschichte der Denksysteme am Collège de France hervorgegangene Buch Die Ordnung des Diskurses[12] bildet den Übergang von der archäologischen zur genealogischen Phase und ordnet sich folglich zwischen diese beiden Phasen ein. Überwachen und Strafen[13] und der erste Band von Sexualität und Wahrheit, Der Wille zum Wissen[14], sind der genealogischen oder machtanalytischen Phase zuzuordnen und die Bände zwei und drei von Sexualität und Wahrheit, Der Gebrauch der Lüste[15] und Die Sorge um sich[16], der Subjekttheorie und der Ethik des Selbst.[17]
Der theoretische Bruch, der häufig zwischen der Machtanalytik der zweiten Phase und der Subjekttheorie der dritten Phase konstatiert wird und der auf der Annahme beruht, dass sich Foucaults Machtanalytik selbst in eine Sackgasse manövriert hat und Foucault diese deshalb verworfen und das theoretische Feld hin zur Subjekttheorie gewechselt hat, ist ungenau. Fink-Eitel irrt sich, wenn er schreibt: „Die Machttheorie sitzt in dem Käfig fest, den sie sich selbst gebaut hat [...].“[18] Die Schlussfolgerung von Lemke, dass Foucaults Beschäftigung mit den Subjektivierungsprozessen Ergebnis und Konsequenz seiner Auseinandersetzung mit den Machtpraktiken und als deren Erweiterung aufzufassen ist, erscheint dagegen überzeugender.[19]
Lässt man Foucault die Entwicklung der Themen und Fragestellungen, welche seiner theoretischen Arbeit zugrunde liegt, rückblickend selbst beschreiben, dann erscheint diese durchaus kohärent:

„Bisher habe ich drei traditionelle Probleme untersucht: 1. Welches Verhältnis haben wir zur Wahrheit durch wissenschaftliche Erkenntnis, zu jenen 'Wahrheitsspielen', die so große Bedeutung in der Zivilisation besitzen und deren Subjekt und Objekt wir gleichermaßen sind? 2. Welches Verhältnis haben wir aufgrund dieser seltsamen Strategien und Machtbeziehungen zu den anderen? 3. Welche Beziehungen bestehen zwischen Wahrheit, Macht und Subjekt? Ich möchte all das mit einer Frage beschließen: Was könnte klassischer sein als diese Fragen und systematischer als der Weg von Frage eins über Frage zwei zu Frage drei und zurück zu Frage eins. Genau an diesem Punkt bin ich jetzt.“
[20]



… mit Hilfe der Genealogie …
Foucault entwickelt keinen eigenständigen und einheitlichen Theorieapparat, von dem ausgehend er sich seinen Untersuchungsgegenständen nähert. Mit der Archäologie und der Genealogie entwirft er zwar zwei zentrale Untersuchungsmethoden, allerdings sind diese eher als übergeordnete Herangehensweisen aufzufassen, die er gegebenenfalls an seine Untersuchungsgegenstände anpasst. So sagt er selbst: „Ich habe keine Methode, die ich unterschiedslos auf verschiedene Bereiche anwende.“[21] Stattdessen entwickelt er seine Analyseinstrumente immer in Bezug auf die jeweiligen Objekte, die er untersucht, da, wie er meint,

„[…] keine Methode um ihrer selbst willen eingesetzt werden darf.“
[22] Mit dem Diskurs untersucht er den Wahnsinn, mit dem Dispositiv die Delinquenz, die Sexualität anhand der Macht/Wissen-Komplexe und den Staat mit Hilfe der Gouvernementalität.[23]

„Ich taste mich voran und fabriziere nach besten Kräften Instrumente, die Objekte sichtbar machen sollen. Ein wenig sind diese Objekte durch die guten oder schlechten Instrumente bestimmt, die ich da fabriziere. Und sie sind falsch, wenn meine Instrumente falsch sind... Ich versuche, meine Instrumente über die Objekte zu korrigieren, die ich damit zu entdecken glaube, und dann zeigt das korrigierte Instrument, dass die von mir definierten Objekte nicht ganz so sind, wie ich gedacht hatte. So taste ich mich voran oder stolpere von Buch zu Buch.“
[24]
Dass Foucault seine Analyseinstrumente an den von ihm untersuchten Objekten ausrichtet, bedeutet jedoch nicht, dass er diese Objekte zum Ausgangspunkt seiner Untersuchungen macht. Im Gegenteil, er untersucht die Geschichte des Wahnsinns, des Staates, der Delinquenz oder der Sexualität, indem er von deren Nicht-Existenz ausgeht. Foucault befragt den Wahnsinn oder den Staat nicht nach ihrer Geschichte oder Entwicklung, sondern er fragt nach den Bedingungen und Praktiken, die diese als Objekte konstituiert haben. Statt Universalien[25] wie den Staat oder den Wahnsinn als Raster zu nehmen, in das sich konkrete Praktiken einordnen lassen, nimmt er die konkreten Praktiken als Raster, in das er die Universalien einordnet.[26] Er sagt nicht, angenommen der Wahnsinn oder der Staat existieren, wie ist ihre Geschichte, wie hat sich ihr Erscheinungsbild im Laufe der Zeit verändert. Er sagt statt dessen:

„Angenommen, der Wahnsinn existiert nicht. Was ist dann die Geschichte, die man anhand dieser verschiedenen Ereignisse, dieser verschiedenen Praktiken schreiben kann, die sich anscheinend um diese unterstellte Sache, den Wahnsinn, gruppieren?“
[27]

Dies bedeutet nicht, dass es sich bei den Phänomenen, auf die sich der Begriff Wahnsinn bezieht, um bloße Trugbilder handelt. Mit der Feststellung, der Wahnsinn existiere nicht, möchte Foucault weniger die Existenz der Phänomene, die als Wahnsinn bezeichnet werden, leugnen, sondern vielmehr den dem Wahnsinn unterstellten universellen Charakter zurückweisen. Es geht Foucault aber um mehr als die bloße Feststellung, dass sich das Erscheinungsbild und die Wahrnehmung von Universalien wie beispielsweise dem Wahnsinn mit der Zeit verändern können, es geht ihm darum, die Bedingungen zu erkennen, „[…] die es den Regeln des Wahr- oder Falsch-Sagens folgend erlauben, ein Subjekt als geisteskrank zu erkennen […]“
[28] und „[…] die Bewegung zu erfassen, mit deren Hilfe […] sich ein Wahrheitsfeld mitsamt der Wissensgegenstände bildete.“[29]
Diese Vorgehensweise ist ein Teil der Foucaultschen Genealogie, die er in Anlehnung an Nietzsches Genealogie der Moral[30] entwickelt. Mit dem allgemeinen Verständnis von Genealogie im Sinne von Abstammungs- oder Verwandtschaftslehre hat diese jedoch nur sehr entfernt etwas zu tun.[31] Die Genealogie Foucaults beschäftigt sich in erster Linie mit den äußeren Bedingungen und den sozialen Praktiken, die den Diskurs ermöglichen. Im Zentrum des genealogischen Interesses befindet sich im Gegensatz zur Archäologie, die sich vor allem mit den immanenten Regeln des Diskurses im Rahmen der Sprache und Zeichen befasst, die Frage nach den Machtverhältnissen.
Wie Foucault während der Vorlesung vom 8. Februar 1978 darlegt, besteht das Vorgehen der genealogischen Analyse darin, aus der Institution herauszutreten und die Machtbeziehungen ausgehend von den Technologien und Strategien zu analysieren.

„Eine derartige Methode besteht im Grunde genommen darin, hinter die Institution zu gelangen, um hinter ihr […] das wiederzufinden, was man eine Machttechnologie nennen kann. Gerade von da her macht es diese Analyse möglich, […] eine genealogische Analyse, die ein ganzes Geflecht von Bündnissen, Verbindungen, Stützpunkten rekonstruiert. […] Man muß aus der Institution heraustreten, um sie durch den globalen Gesichtspunkt der Machttechnologie zu ersetzen.“
[32]

Das heißt, um den Wahnsinn zu verstehen, genügt es nicht, die Psychiatrie von innen heraus zu untersuchen, sondern es ist notwendig, sie im Verhältnis zum Außenraum der Gesellschaft zu analysieren. Ebensowenig ist es ausreichend, die innere Funktion der Psychiatrie zu untersuchen, stattdessen muss analysiert werden, in welche äußeren Strategien und Taktiken sie eingebettet ist.
Foucault bezeichnet die Genealogie auch als Anti-Wissenschaft, die den absoluten Wahrheitsanspruch der Wissenschaften kritisieren und deren Hierarchisierungen und Machtwirkungen unterlaufen soll. Die Genealogie bringt die unterdrückten und nicht-qualifizierten Wissensarten wie beispielsweise das Wissen der Kranken, das Wissen der Psychiatrisierten und das Wissen der Delinquenten ins Spiel und führt sie gegen das anerkannte Wissen der Wissenschaft ins Feld.

„Die Genealogie wäre somit […] eine Art Versuch, die historischen Wissensarten aus der Unterwerfung zu befreien, d. h. sie fähig zum Widerstand und zum Kampf gegen den Zwang eines theoretischen, einheitlichen, formalen und wissenschaftlichen Diskurses zu machen. Aktivierung der lokalen [...] Wissensarten gegen die wissenschaftliche Hierarchisierung des Wissens und die ihr innewohnenden Machtwirkungen: genau das ist die Absicht dieser ungeordneten und fragmentarischen Genealogien.“
[33]

Den Wahrheitsanspruch der Wissenschaften in Frage zu stellen bedeutet auch, dass die Genealogie nicht nach einem Ursprung sucht, da die Suche nach dem Ursprung immer auch eine Suche nach dem Ort der Wahrheit ist. Die Genealogie sucht statt dessen nach der Entstehung und der Herkunft. Dabei geht es weder darum, die Geschichte von einem Endpunkt aus zu erklären, noch eine Kontinuität zwischen der Abfolge von Ereignissen herzustellen. Im Gegenteil, die Suche nach der Entstehung und der Herkunft ist der Suche nach dem Ursprung entgegengesetzt. Sie soll die Kontinuität und Kohärenz auflösen und die Zufälligkeiten, Abweichungen, Irrtümer und Richtungswechsel der Ereignisse aufzeigen. „Die Erforschung der Herkunft schafft keine sichere Grundlage; sie erschüttert, was man für unerschütterlich hielt; sie zerbricht, was man als eins empfand; sie erweist als heterogen, was mit sich übereinzustimmen schien.“[34] Die Entstehung ist nicht wie der Ursprung ein Ort der Wahrheit und Begründung, von dem ausgehend eine kontinuierliche Entwicklung gezeichnet wird. Entstehung meint statt dessen das zufällige Auftauchen innerhalb eines zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen Kräftefeldes. Die Analyse der Entstehung hat das Ziel, dieses Kräftefeld, das sie hat auftauchen lassen, sichtbar zu machen.[35]
Der Genealogie geht es nicht darum, die Wahrheit, das Wesen oder den Kern der Dinge zu entdecken, sondern darum, aufzudecken, dass es eine solche Wahrheit nicht gibt, dass die Dinge kein Wesen und keinen Kern besitzen. Sie sucht nicht nach einer sinnstiftenden Begründung als Bedingung unserer Existenz, indem sie versucht, den Ursprung und die Einheit unserer Identität nachzuzeichnen. Vielmehr versucht sie, die Kontingenz und die Zufälligkeit unserer gegenwärtigen Existenz aufzuzeigen. „[...] es heißt entdecken, dass an der Wurzel dessen, was wir erkennen und was wir sind, nicht die Wahrheit liegt und auch nicht das Sein, sondern die Äußerlichkeit des Zufalls.“
[36] Statt einen kontinuierlichen Bogen zwischen einem vorgestellten Ursprung und der Gegenwart zu spannen, zerbricht die Genealogie die von der Geschichtsschreibung konstruierte kontinuierliche Entwicklung unserer Existenz. Sie löst die Einheit unserer Identität auf und verweist auf die Brüche und Diskontinuitäten unserer Herkunft und Entstehung.
Die Genealogie beschäftigt sich mit der Konstitution von Wissen, Diskursen und Dingen, vermeidet gleichzeitig aber, sich auf ein konstituierendes Subjekt zu beziehen:

„[…] das heißt, man muss zu einer Analyse gelangen, die der Konstitution des Subjekts in der historischen Verlaufsform Rechnung tragen könnte. Und das ist das, was ich Genealogie nennen würde, das heißt eine Form von Geschichte, die der Konstitution der Wissensarten, der Diskurse, der Gegenstandsbereiche usw. Rechnung trägt, ohne sich auf ein Subjekt beziehen zu müssen […].“
[37]

Indem die Genealogie ein konstituierendes Subjekt verwirft und statt dessen das Subjekt selbst als konstituiert beschreibt, macht sie nicht nur deutlich, dass wir nicht zwangsläufig das sein müssen, was wir gegenwärtig sind. Sie führt uns damit auch die Freiheit vor Augen, uns zu verändern. Die Genealogie „[…] wird vielmehr aus der Kontingenz, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind, die Möglichkeit herauslösen, nicht mehr das zu sein, zu tun oder zu denken, was wir sind, tun oder denken.“[38]



… die Machtverhältnisse demontieren
Die Genealogie liefert keinen Ursprung und keine Wahrheit, sie sucht nicht nach dem Wesen der Dinge, sie durchbricht die kontinuierliche Abfolge geschichtlicher Ereignisse und verabschiedet sich vom erkennenden Subjekt. Die Genealogie untersucht die Macht- und Kräfteverhältnisse, in denen sich die Diskurse formieren, sie betont die Diskontinuität und Zufälligkeit der Ereignisse und verweist auf die Brüche, die unsere Identität durchziehen.
Bezugs- und Ausgangspunkt einer genealogischen Untersuchung ist für Foucault immer die Gegenwart. „Genealogie heißt, dass ich die Analyse von einer gegenwärtigen Frage aus betreibe.“
[39] Eine gegenwärtige Fragestellung oder ein gegenwärtiges Problem als Ausgangs- und Bezugspunkt für eine genealogische Untersuchung zu nehmen bedeutet jedoch nicht, die gegenwärtige Realität auch als End- oder Zielpunkt zu setzen, auf den sich die geschichtlichen Ereignisse in einer teleologischen Entwicklung ausgerichtet haben. Das Gegenteil ist der Fall. Die Genealogie will zeigen, dass das, was ist, nicht notwendigerweise so sein muss, wie es jetzt ist, sondern nur eine von vielen unterschiedlichen Möglichkeiten darstellt. Indem sie aufzeigt, dass die historische Entwicklung weniger eine logische Abfolge, sondern vielmehr eine zufällige Verkettung von Ereignissen darstellt, verweist sie auf die Kontingenz der Verhältnisse, in denen wir aktuell leben. In dem Gespräch mit Rux Martin vom Oktober 1982 sagt Foucault folgendes:
„Ich möchte zeigen, dass viele Dinge, die Teil unserer Landschaft sind – und für universell gehalten werden –, das Ergebnis ganz bestimmter geschichtlicher Veränderungen sind. Alle meine Untersuchungen richten sich gegen den Gedanken universeller Notwendigkeiten im menschlichen Dasein. Sie helfen entdecken, wie willkürlich Institutionen sind, welche Freiheit wir immer noch haben und wie viel Wandel immer noch möglich ist.“
[40]
Indem sie das Fundament des gegenwärtig allgemein anerkannten Wissens untergräbt, ist die Foucaultsche Genealogie somit immer auch eine Möglichkeit, die gegenwärtige Realität zu hinterfragen und zu kritisieren. Dass sich Foucault mit seinen Untersuchungen gegen die Vorstellung von universellen Notwendigkeiten und Wahrheiten wendet, ist kein Zufall, sondern das Prinzip, nach dem er seine gesamte Arbeitsweise organisiert und das Ziel, auf das er seine Untersuchungen ausrichtet. Kritik an den gegebenen Machtverhältnissen zu üben ist für Foucault Antrieb zu schreiben.[41] Aus diesem Grund ist es für ihn und für das Verständnis seiner Arbeiten wichtig, dass sich sein Denken immer auch rückkoppelt mit konkreten politischen Kämpfen. Foucault ist nicht nur Wissenschaftler oder Philosoph, er ist auch politischer Aktivist. Wenn er es für notwendig erachtet, bezieht er politisch Stellung. So ist er beispielsweise Anfang der 1970er Jahre in der Gruppe Gefängnis-Information aktiv, die sich mit der Organisation von Demonstrationen und Pressekonferenzen und der Veröffentlichung von Artikeln kritisch zur Institution Gefängnis positioniert.[42] In einem Interview sagt er zu der Ausrichtung dieser Aktivitäten:

„Wenn man das Bewusstsein der Menschen verändern wollte, bräuchte man nur Zeitschriften und Bücher zu publizieren und einen Radio- oder Fernsehproduzenten für seine Ideen zu gewinnen. Wir wollen aber die Institution angreifen [...]. Wir wollen diese gelebte Ideologie über die dichte institutionelle Schicht verändern, in der sie sich eingenistet und auskristallisiert hat und in der sie sich reproduziert. Vereinfacht könnte man sagen, der Humanismus will das ideologische System ändern, ohne die Institution anzurühren; der Reformismus will die Institution ändern, ohne das ideologische System anzurühren. Revolutionäre Aktion bedeutet dagegen gleichzeitige Erschütterung des Bewusstseins und der Institution; und dazu muss sie die Machtverhältnisse angreifen, deren Werkzeug, Waffe und Panzer sie sind.“
[43]

Diese politischen Aktivitäten haben seine wissenschaftlichen Fragestellungen ebenso beeinflusst, wie seine wissenschafltichen Arbeiten von seinen politischen Interventionen beeinflusst sind. Eins zu eins übersetzen lassen sich das Denken und Handeln Foucaults allerdings nicht. Trotz der vorhandenen Brüche und Widersprüche bleibt Foucault aber sowohl wissenschaftlich als auch politisch seiner Grundeinstellung treu, unbequeme Fragen zu stellen und das anerkannte Wissen und die gegenwärtigen Machtsysteme auch gegen Widerstand zu kritisieren.[44] Foucault geht es dabei auch immer darum, herrschende Gewissheiten in Frage zu stellen und aufzudecken, wie diese entstehen und wirken, sowie neue Denkräume zu erschließen, ohne diese gleichzeitig mit abschließenden Antworten in Besitz zu nehmen.[45] Und wenn er es als notwendig erachtet, zögert er nicht, auch seine eigenen früheren Aussagen und Positionierungen zu revidieren.[46] Ziel seiner Arbeit ist immer, Machtsysteme zu analysieren, um ihr Funktionieren besser verstehen zu können und auf dieser Basis Werkzeuge zu entwickeln, mit deren Hilfe diese Machtsysteme demontiert werden können. Foucault bezeichnet sich selbst als Kartographen und Richtungsanzeiger, als Planzeichner, Rezeptaussteller, Werkzeughändler und Waffenschmied.[47]

„Alle meine Bücher ..."
[48]

[zara pfeiffer]

[1] Foucault, Michel: Historisches Wissen der Kämpfe und Macht. Vorlesung vom 7. Januar 1976, in: Michel Foucault: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, Berlin: Merve, 1978, S. 56. Siehe auch Michel Foucault: Vorlesung vom 7. Januar 1976, Dits et Ecrits III, Nr. 193, S. 214.
[2] Foucault, Michel: Die Geburt der Biopolitik, 2006, S. 116.
[3] Vgl. Fink-Eitel, Hinrich: Michel Foucault zur Einführung, 3. durchges. Aufl., Hamburg: Junius, 1997, S. 10
[4] Foucault: Historisches Wissen der Kämpfe und Macht, 1978, S. 56. Siehe auch Michel Foucault: Vorlesung vom 7. Januar 1976, Dits et Ecrits III, Nr. 193, S. 214.
[5] Foucault, Michel: Michel Foucault, interviewt von Stephen Riggins, Dits et Ecrits IV, Nr. 336, S. 653.
[6] Foucault, Michel: Wahrheit, Macht, Selbst. Ein Gespräch zwischen Rux Martin und Michel Foucault (25. Oktober 1982), Dits et Ecrits IV, Nr. 362, S. 960.
[7] Fink-Eitel erwähnt noch eine vierte Phase, welche er in den 1950er Jahren verortet und in der Foucault eine von Heidegger inspirierte Philosophie vertritt. Vgl. Fink-Eitel: Michel Foucault zur Einführung, 1997, S. 103. Andere Autoren wiederum verzichten darauf, diese Zeit Foucaults Denkens als Phase gleichberechtigt neben die Archäologie, die Genealogie und die Subjekttheorie zu stellen. Vgl. Ruoff, Michael: Foucault-Lexikon. Entwicklung – Kernbegriffe – Zusammenhänge, Paderborn: Wilhelm Fink, 2007, S. 53.
[8] Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969.
[9] Foucault, Michel: Die Geburt der Klinik. Eine Archäologie des ärztlichen Blicks, 6. Aufl., Frankfurt am Main: Fischer, 2002.
[10] Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1974.
[11] Foucault, Michel: Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1981.
[12] Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, München: Hanser, 1974.
[13] Foucault, Michel: Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1977.
[14] Foucault, Michel: Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit. Erster Band, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1983.
[15] Foucault, Michel: Der Gebrauch der Lüste. Sexualität und Wahrheit. Zweiter Band, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1989.
[16] Foucault, Michel: Die Sorge um sich. Sexualität und Wahrheit. Dritter Band, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1989.
[17] Vgl. Ruoff: Foucault-Lexikon, 2007, S. 21ff.
[18] Fink-Eitel: Michel Foucault zur Einführung, 1997, S. 102.
[19] Vgl. Lemke, Thomas: Eine Kritik der politischen Vernunft. Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität, Berlin/Hamburg: Argument, 1997, S. 29.
[20] Foucault: Wahrheit, Macht, Selbst, Dits et Ecrits IV, Nr. 362, S. 965f.
[21] Foucault: Macht und Wissen, Dits et Ecrits III, Nr. 216, S. 521f.
[22] Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 179.
[23] Vgl. Lemke, Thomas: Geschichte und Erfahrung. Michel Foucault und die Spuren der Macht, in: Michel Foucault: Analytik der Macht, herausgegeben von Daniel Defert und François Ewald unter Mitarbeit von Jacques Lagrange, Auswahl und Nachwort von Thomas Lemke, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005, S. 320.
[24] Foucault: Macht und Wissen, Dits et Ecrits III, Nr. 216, S. 521f.
[25] Foucault stützt sich hier auf das Geschichtsverständnis von Paul Veyne und dessen Überlegungen über historische Universalien. Vgl. Foucault: Die Geburt der Biopolitik, Dits et Ecrits III, Nr. 274, S. 1020.
[26] Vgl. Foucault: Die Geburt der Biopolitik, 2006, S. 15; laut Daniel Defert notiert Foucault am 7. Januar 1979: „Die Universalien nicht dem Hobel der Geschichte überlassen, sondern die Geschichte anhand eines Denkens aufrollen, das die Universalien verwirft. Aber welche Geschichte?“ Defert, Daniel: Zeittafel, in: Daniel Defert et al. (Hg.): Michel Foucault. Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits. Band I. 1954-1969, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005, S. 89.
[27] Foucault: Die Geburt der Biopolitik, 2006, S. 16.
[28] Foucault: Foucault, Dits et Ecrits IV, Nr. 345, S. 780.
[29] Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 177.
[30] Vgl. Nietzsche, Friedrich: Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift, in: Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral. Kritische Studienausgabe. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 2. durchgesehene Aufl., München: dtv, 1988.
[31] In seinem Aufsatz Nietzsche, die Genealogie, die Historie entwickelt Foucault 1971 erstmals eine systematische Darstellung der genealogischen Methode. Vgl. Foucault, Michel: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 166-191.
[32] Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 175f.
[33] Foucault: Historisches Wissen der Kämpfe und Macht, 1978, S. 64f. Siehe auch Foucault, Michel: Vorlesung vom 7. Januar 1976, Dits et Ecrits III, Nr. 193, S. 221.
[34] Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 173.
[35] Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 174f.
[36] Foucault: Nietzsche, die Genealogie, die Historie, Dits et Ecrits II, Nr. 84, S. 172.
[37] Foucault, Michel: Gespräch mit Michel Foucault, Dits et Ecrits III, Nr. 192, S. 195.
[38] Foucault, Michel: Was ist Aufklärung, Dits et Ecrits IV, Nr. 339, S. 702f.
[39] Foucault, Michel: Die Sorge um die Wahrheit, Dits et Ecrits IV, Nr. 350, S. 831.
[40] Foucault: Wahrheit, Macht, Selbst, Dits et Ecrits IV, Nr. 362, S. 961.
[41] Vgl. Foucault, Michel: Die fröhliche Wissenschaft des Judos. Ein Gespräch mit Jean-Louis Ezine, in: Michel Foucault, Mikrophysik der Macht. Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin, Berlin: Merve, 1976, S. 129. Siehe auch Foucault, Michel: Auf dem Präsentierteller, Dits et Ecrits II, Nr. 152, S. 894f.
[42] Die Gruppe Gefängnis-Information war ein Kreis von Intellektuellen, dem u. a. auch Jean-Marie Domenach, Pierre Vidal-Naquet, Daniel Defert, Gilles Deleuze, Jacques Donzelot, Robert Castel und Jacques Rancière angehörten. Vgl. Lemke: Eine Kritik der politischen Vernunft, 1997, S. 62ff.
[43] Foucault, Michel: Jenseits von Gut und Böse, Dits et Ecrits II, Nr. 98, S. 283.
[44] Foucaults politische Aktivitäten beschränken sich nicht auf die Gruppe Gefängnis-Information. Unter anderem unterstützt er die polnische Gewerkschaft Solidarność, beteiligt sich an antirassistischen Initiativen, kämpft für das Recht auf Asyl und setzt sich für die sexuelle Selbstbestimmung Homosexueller ein. Vgl. Lemke: Geschichte und Erfahrung. Michel Foucault und die Spuren der Macht, 2005, S. 326.
[45] Vgl. Ewald, François: Foucault – Ein vagabundierendes Denken, in: Michel Foucault: Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wahrheit und Wissen, Berlin: Merve, 1978, S. 7f.
[46] Diese Bereitschaft Foucaults, seine Positionen gegebenenfalls zu revidieren, hat bezüglich seiner politischen Positionierung bisweilen ebenso für Verwirrung gesorgt wie manche Brüche zwischen seinem theoretischen Denken und seinem politischen Handeln. So gibt es höchst unterschiedliche Einschätzungen, welcher politischen Richtung Foucault zuzuordnen ist. Vgl. Schäfer, Velten: Links handeln und rechts denken? Zur Diskussion um Foucaults politische Heimat, in: Marvin Chlada/Gerd Dembowski (Hg.): Das Foucaultsche Labyrinth. Eine Einführung, Aschaffenburg: Alibri, 2002, S. 18-26.
[47] Vgl. Foucault: Die fröhliche Wissenschaft des Judo, 1976, S. 129. Siehe auch Foucault: Auf dem Präsentierteller, Dits et Ecrits II, Nr. 152, S. 895.
[48] Foucault, Michel: Von den Martern zu den Zellen. Ein Gespräch mit Roger-Pol Droit, in: Michel Foucault: Mikrophysik der Macht. Über Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin, Berlin: Merve, 1976, S. 53. Siehe auch Foucault, Michel: Von den Martern zu den Zellen, Dits et Ecrits II, Nr. 151, S. 887f.

21 August, 2008

Eine Beschwerde Monsieur Foucault

Ehrlich gesagt, das sind schöne Worte, aber hin und wieder düften Sie sich schon etwas mehr Mühe geben, Sätze von sich zu geben, die leichter zu verstehen sind. Was bitteschön meinen Sie mit Proliferation, Juxtaposition und Disjunktion? Das ginge doch wirklich auch einfacher zu sagen, oder? (Erste Entschuldigung: der Anti-Ödipus von Deleuze und Guattari sind auch nicht ganz einfach zu lesen, zweite Entschuldigung, es handelt sich um eine Übersetzung. Halb akzeptiert)

"Gib dem den Vorzug, was positiv ist und multipel ..." schön und gut, aber das klingt mir auch ganz schön neoliberal, was Sie hier von sich geben, dabei gibt die Geburt der Biopolitik, doch eigentlich eine ganz gute Analyse des Neoliberalismus.

"Denke nicht, daß man traurig sein muß, um militant sein zu können ..." Nein, das denke ich gar nicht, aber trotzdem bin ich manchmal traurig, vielleicht auch ein Grund, warum ich dann gar keine Lust auf Militanz habe, wobei wir uns erst mal unterhalten müssten, was damit gemeint sein soll.

Verliebe dich nicht in die Macht. Welche Macht, wenn ich fragen darf? Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann ist die Macht nie auf einer Seite ... Möglicherweise zuviel Foucault gelesen? Die Frage ist aber auch, ob es uns weiterbringt, wenn wir uns nur in Worte verlieben ...

P.S. Bisschen mehr Paranoia (wenn auch keine totalisierende) täte manchen vielleicht gar nicht so schlecht.

foucault verkündet den tod des subjekts

"Man braucht sich nicht sonderlich über das Ende des Menschen aufzuregen; das ist nur ein Sonderfall oder, wenn Sie so wollen, eine der sichtbaren Formen eines weitaus allgemeineren Sterbens. Damit meine ich nicht den Tod Gottes, sondern den Tod des Subjekts, des Subjekts als Ursprung und Grundlage des Wissens, der Freiheit, der Sprache und der Geschichte."
[Michel Foucault: Dits et Ecrits I]

"Es ist nicht die Befreiung von einer alten Unruhe, der Übergang einer Jahrtausende alten Sorge zu einem lichtvollen Bewußtsein, das Erreichen der Objektivität durch das, was lange Zeit in Glaubensvorstellungen und in Philosophien gefangen war: es war die Wirkung einer Veränderung in den fundamentalen Dispositionen des Wissens. Der Mensch ist eine Erfindung, deren junges Datum die Archäologie unseres Denkens ganz offen zeigt. Vielleicht auch das baldige Ende.
Wenn diese Dispositionen verschwänden, so wie sie erschienen sind, wenn durch irgendein Ereignis, dessen Möglichkeit wir höchstens vorausahnen können, aber desen Form oder Verheißung wir im Augenblick nicht kennen, diese Dispositionen ins Wanken gerieten, wie an der Grenze des achzehnten Jahrhunderts die Grundlage des klassischen Denkens es tat, dann kann man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand."
[Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge]

19 August, 2008

tausende (fast) möglichkeiten mit zitaten umzugehen

(vorausgesetzt man liest sie)

die romantische haltung: verliebt sein in die worte, weil sie so schön klingen und so einiges in einer selbst anstoßen (kreativitätsfördernd, aber auch gefährlich, weil so die bodenhaftung flöten geht)

die tiefstapler haltung: davon überzeugt sein, dass man zu dumm ist, das zitat zu verstehen und sich dann selbst bedauern und sich deshalb auch gar nicht mehr die mühe machen, was zu verstehen (sehr anstregend)

die kritkerinnen haltung: den beweis antreten, dass das zitat aus dem kontext gerissen wurde, was natürlich zu einer verfälschung desselben führt (von wenigen ausnahmen abgesehen unsympathisch)

die forscherinnen haltung: versuchen rauszufinden, was der autor damit sagen will, am besten indem man nicht nur das zitat sondern auch noch die stellen davor und dahinter liest oder gleich den ganzen text lesen (etwas aufwendig)

die trotzphasen haltung: überhaupt nicht verstehen wollen, weil das alles eh nur dummes theorie gelaber ist (ab und zu ...)

die egozentrische haltung: davon überzeugt sein, dass genau dieses zitat nur für mich geschrieben wurde (ich gebe zu hin und wieder bin ich kurzzeitig verführt, so zu denken)

die werkzeugkasten haltung: was man nicht versteht überlesen und sich über den rest freuen und selber weiterdenken (geht einem zwar manches durch die lappen, aber es wird mit der zeit weniger ...)

...

(kein anspruch auf vollständigkeit, die übrigen tausend dürft ihr euch selbst ausdenken)

17 August, 2008

Foucaultsche Ausrufezeichen!

Eine von Michel Foucault verfasste Zusammenfassung der (seiner Meinung nach) wesentlichen Prinzipien des Anti-Ödipus von Gilles Deleuze und Felix Guattari:

„- Befreie die politische Aktion von jeder vereinheitlichenden und totalisierenden Paranoia!
- Entfalte Aktion, Denken und Wünsche durch Proliferation, Juxtaposition und Disjunktion – und nicht durch Unterteilung und pyramidische Hierarchisierung!
Verweigere den alten Kategorien des Negativen (Gesetz, Grenze, Kastration, Mangel, Lücke), die das westliche Denken so lange als eine Form der Macht und einen Zugang zur Realität geheiligt hat, jede Gefolgschaft! Gib dem den Vorzug, was positiv ist und multipel, der Differenz vor der Uniformität, den Strömen vor den Einheiten, den mobilen Anordnungen vor den Systemen! Glaube daran, daß das Produktive nicht seßhaft ist, sondern nomadisch!
- Denke nicht, daß man traurig sein muß, um militant sein zu können – auch dann nicht, wenn das, wogegen man kämpft, abscheulich ist! Es ist die Konnexion des Wunsches mit der Realität (und nicht sein Rückzug in Repräsentationsformen), die revolutionäre Kraft hat.
- Gebrauche das Denken nicht, um eine politische Praxis auf Wahrheit zu gründen – und ebensowenig die politische Aktion, um eine Denklinie als bloße Spekulation zu diskreditieren“ Gebrauche die politische Praxis als Intensifikator des Denkens und die Analyse als Multiplikator der Formen und Bereiche der Intervention der politischen Aktion!
- Verlange von der Politik nicht die Wiederherstellung der „Rechte“ des Individuums, so wie die Philosophie sie definiert hat! Das Individuum ist das Produkt der Macht. Viel nötiger ist es, zu „ent-individualisieren“, und zwar mittels Multiplikation und Verschiebung, mittels diverser Kombinationen. Die Gruppe darf kein organisches Band sein, das hierarchisierte Individuen vereinigt, sondern soll ein dauernder Generator der Ent-Individualisierung sein.
- Verliebe dich nicht in die Macht!“
[Michel Foucault: Dispositive der Macht]

15 August, 2008

spuren

„Ich könnte Ihnen sagen, daß es sich letztlich um Spuren handelte, denen es zu folgen galt, wobei es von geringer Bedeutung war, wohin sie führten; ja, es war sogar wichtig, daß sie nirgendwohin, in keine von vorneherein determinierte Richtung führten. Diese Spuren waren wie gestrichelte Linien, und es war an Ihnen, sie fortzuführen oder anderswohin zu lenken, an mir gegebenenfalls, sie voranzutreiben oder ihnen eine andere Gestalt zu geben. Letzten Endes werden wir, Sie und ich, sehen, was wir aus diesen Fragmenten machen können. Was mich betrifft, so kam ich mir wie ein Fisch vor, der aus dem Wasser hochspringt und auf der Oberfläche eine kleine, kurze Schaumspur hinterläßt und der glauben machen will oder glauben möchte oder vielleicht tatsächlich selbst glaubt, daß er weiter unten, dort, wo man ihn nicht mehr sieht, wo er von niemandem bemerkt oder kontrolliert wird, einer tieferen, kohärenteren, vernünftigeren Bahn folgt."
[Michel Foucault: Dits et Ecrits III]

Kunstspuren: Maude meets Foucault

Michel Foucault: Werkzeugkisten zum demontieren von Machtsystemen

"Alle meine Bücher, sei es 'Wahnsinn und Gesellschaft' oder dieses da, sind, wenn Sie so wollen, kleine Werkzeugkisten. Wenn die Leute sie aufmachen wollen und diesen oder jenen Satz, diese oder jene Idee oder Analyse als Schraubenzieher verwenden, um die Machtsysteme kurzzuschließen, zu demontieren oder zu sprengen, einschließlich vielleicht derjenigen Machtsysteme, aus denen diese meine Bücher hervorgegangen sind - nun gut, umso besser."
[Michel Foucault: Dits et Ecrits II]

michel foucault und noam chomsky diskutieren

Ausschnitt einer Diskussion zwischen Michel Foucault und Noam Chomsky im französischen Fernsehen aus dem Jahr 1971 über die Natur des Menschen, Macht und Gerechtigkeit:



Interessanterweise erinnern Teile der Diskussion an das erste Buch von Platons Politeia, in dem Sokrates mit Trasymachos über Gerechtigkeit diskutiert, wobei Foucault die Position von Trasymachos (was gerecht ist wird vom Stärkeren definiert) einnimmt und Chomsky die Position von Sokrates (Glaube an eine absolute Gerechtigkeit).


Noam Chomsky
"Mir scheint, dass der wesentliche Unterschied nicht so sehr zwischen Legalität und Gerechtigkeit besteht, sondern zwischen Legalität und einer gerechteren Gerechtigkeit.
Natürlich sind wir nicht in der Lage, ein ideales Rechtssystem zu schaffen, genauso wenig wie eine ideale Gesellschaft. Wir haben kein ausreichendes Wissen, wir sind zu eingeschränkt und zu parteiisch. DA wir als mitfühlende und verwantwortliche Wesen handeln müssen, können wir uns eine bessere Gesellschaft und Gerechtigkeit vorstellen und sie sogar schaffen. Ein solches System wird gewiss seine Mängel haben, aber wenn wir es mit dem bestehenden vergleichen, können wir, ohne zu meinen, das ideale System erreicht zu haben, die folgende Üerlegung anstellen: Die Begriffe der Legalität und der Gerechtigkeit sind weder identisch noch völlig verschieden. In dem Maße, in dem die Legalität die Gerechtigkeit einschließt im Sinne einer besseren Gerechtigketi, dei sich auf eine bessere Gesellschaft bezieht, müssen wir dem Gesetz gehorchen und den Staat, die großen Verbände und die Polizei zwingen, dem Gesetz zu gehorchen, wenn wir die Macht dazu haben."

Michel Foucault
"Sie kritisieren die Funktionsweise der Justiz also im Namen einer reinen Gerechtigkeit. Das ist für uns jetzt eine wichtige Frage. Es gibt zwar in allen gesellschaftlichen Kämpfen eine Frage nach der Gerechtigkeit. Genauer gehört der Kampf gegen die Klassengerechtigkeit, gegen ihre Ungerechtigkeit, seit jeher zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung. [...] Aber wenn die Gerechtigketi in einem Kampf bemüht wird, dann als Machtinstrument und nicht in der Hoffnung, dass eines Tages die Menschen gemäß ihren Verdiensten belohnt oder für ihre Fehler bestraft werden. Anstatt die gesellschaftliche Auseinandersetzung in Begriffen der Gerechtigkeit zu verstehen, muss man vielmehr die Gerechtigkeit in Begriffen der gesellschaftlichen Auseinandersetzung verstehen."
[Michel Foucault, Dits et Ecrits II]

14 August, 2008

Die Gouvernementalität

Foucault verwendet den Begriff Gouvernementalität erstmals gegen Ende der Vorlesung vom 1. Februar 1978.[1] Die Erklärung, was er mit diesem, wie er später selbst sagt, „häßlichen Wort“[2] bezeichnet, gliedert er in drei sich aufeinander beziehende Teile:

„Unter Gouvernementalität verstehe ich die Gesamtheit, gebildet aus den Institutionen, den Verfahren, Analysen und Reflexionen, den Berechnungen und den Taktiken, die es gestatten, diese recht spezifische und doch komplexe Form der Macht auszuüben, die als Hauptzielscheibe die Bevölkerung, als Hauptwissensform die politische Ökonomie und als wesentliches Instrument die Sicherheitsdispositive hat. Zweitens verstehe ich unter 'Gouvernementalität' die Tendenz oder die Kraftlinie, die im gesamten Abendland unablässig und seit sehr langer Zeit zur Vorrangstellung dieses Machttypus, den man als 'Regierung' bezeichnen kann, gegenüber allen anderen – Souveränität, Disziplin – geführt und die Entwicklung einer ganzen Reihe spezifischer Regierungsapparate einerseits und einer ganzen Reihe von Wissensformen andererseits zur Folge gehabt hat. Schließlich glaube ich, dass man unter Gouvernementalität den Vorgang oder eher das Ergebnis des Vorgangs verstehen sollte, durch den der Gerechtigkeitsstaat des Mittelalters, der im 15. und 16. Jahrhundert zum Verwaltungsstaat geworden ist, sich Schritt für Schritt 'gouvernementalisiert' hat.“[3]

Ein spezifisches Machtsystem ebenso wie die historische Entwicklung, in deren Verlauf der zu diesem Machtsystem gehörige Machttypus – die Regierung – zur dominierenden Form der Machtausübung geworden ist, das ist es, was Foucault an dieser Stelle der Vorlesungsreihe von 1978 unter Gouvernementalität versteht. Das Machtsystem, von dem Foucault spricht, besteht aus komplexen Regierungstaktiken und -institutionen, welche die Bevölkerung als Ziel, die politische Ökonomie als Wissensform und die Sicherheitsdispositive als Instrument haben. Es konnte sich im 18. Jahrhundert installieren und damit die Regierung gegenüber der Souveränität und der Disziplin als dominanten Machttypus durchsetzen. weiterlesen
[zara pfeiffer]



[1] Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, S. 162. Der Begriff „Gouvernementalität“ ist allerdings keine Neuschöpfung Foucaults. Roland Barthes verwendet den Begriff Gouvernementalität bereits 1964 in seinem Buch Mythen des Alltags. Vgl. Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2003.
[2] Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 173.
[3] Foucault: Die ‚Gouvernementalität’, Dits et Ecrits III, Nr. 239, S. 820f; vgl. auch: Foucault, Michel: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 162. Aus Gründen der besseren Verständlichkeit wurde an dieser Stelle auf die Übersetzung in den Dits et Ecrits zurückgegriffen.

die sicherheitsdispositive

Insgesamt unterscheidet Foucault drei verschiedene Machttechnologien: die juridischen oder rechtlichen Mechanismen, die Disziplinarmechanismen und die Sicherheitsmechanismen. Diese ordnet er drei entsprechenden Staatsformen und deren Organisationsprinzipien zu: erstens, die juridischen Mechanismen dem mittelalterlichen Gerechtigkeitsstaat, der nach dem Prinzip der Souveränität organisiert ist; zweitens, die Disziplinarmechanismen dem Verwaltungsstaat des 16. und 17. Jahrhunderts, der nach dem Prinzip der Staatsräson und der Polizei organisiert ist und drittens, die Sicherheitsmechanismen dem Regierungsstaat, der sich ab dem 18. Jahrhundert entwickelt und der nach dem Prinzip der Gouvernementalität organisiert ist.
Die unterschiedliche Funktionsweise dieser Machtmechanismen verdeutlicht Foucault an Hand der verschiedenen Reaktionen auf und Behandlungen von Krankheiten im Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Während die Leprakranken im Mittelalter mit Hilfe von Gesetzen und Verordnungen ausgeschlossen wurden, wurden im 16. und 17. Jahrhundert von der Pest betroffene Regionen mittels Kontrolle und Überwachung diszipliniert, um eine Ausdehnung auf andere Gebiete zu unterbinden. Die Sicherheitsmechanismen operieren dagegen vor allem mittels Wahrscheinlichkeiten auf der Grundlage von Statistiken. Bei der Behandlung der Pocken im 18. Jahrhundert ging es in erster Linie darum, statistisches Wissen über die Bevölkerung zu sammeln und mit Hilfe der Impfpraktiken die Epidemie einzudämmen.[1] Die rechtlichen Mechanismen oder die Souveränität funktionieren folglich über Gesetze und Verbote, die Disziplin über Kontrolle und Überwachung und die Sicherheitsdispositive über die Regulierung von Wahrscheinlichkeiten:

„Anders gesagt, das Gesetz verbietet, die Disziplin schreibt vor, und die Sicherheit hat - ohne zu untersagen und ohne vorzuschreiben, wobei sie sich eventuell einiger Instrumente in Richtung Verbot und Vorschrift bedient - die wesentliche Funktion, auf eine Realität zu antworten, so daß diese Antwort jene Realität aufhebt, auf die sie antwortet - sie aufhebt oder einschränkt oder bremst oder regelt.“[2]

Obwohl Foucault den einzelnen Machtmechanismen ihre jeweiligen Gegenstände – den juridischen Mechanismen das Territorium, den disziplinarischen Mechanismen die individuellen Körper und den Sicherheitsmechanismen die Gesamtheit der Bevölkerung – zuordnet und sie in eine zeitliche Abfolge zueinander bringt, betont er gleichzeitig, dass eine strikte Trennung und zeitliche Zuordnung dieser Mechanismen zu schematisch und folglich auch zu ungenau ist. Stattdessen handelt es sich bei den verschiedenen Machtmechanismen um „eine Serie komplexer Gefüge“[3], bei der sich mit der Zeit vor allem „[...] die Dominante oder genauer das Korrelationssystem zwischen den juridisch-rechtlichen Mechanismen, den Disziplinarmechanismen und den Sicherheitsmechanismen“[4] verändert. Die juridischen und disziplinarischen Mechanismen werden von den Sicherheitsmechanismen folglich nicht verdrängt. Im Gegenteil, im Zuge der Sicherheitsdispositive kommt es zu einer regelrechten Zunahme rechtlicher Regulierungen und disziplinarischer Maßnahmen.
Auf Grundlage der Unterscheidung der verschiedenen Machttypen wendet Foucault sich der Frage zu, ob es „[…] tatsächlich eine Gesamtökonomie der Macht gibt, welche die Form der Sicherheitstechnologie hat […]“[5] und inwiefern diese Gesamtökonomie der Macht „[…] in unseren Gesellschaften dabei ist, zur Sicherheitsordnung zu werden?“[6] Dieses Vorhaben verfolgt er an Hand der Sicherheitsräume, der Behandlung des Ereignisses und der spezifischen Normalisierungsformen der Sicherheit.
Bei den Sicherheitsräumen zeigt er die unterschiedlichen Vorgehensweisen und Strategien der Machtmechanismen bei der Gestaltung des städtischen Raumes an Hand des Werkes La métropolitée von Alexandre Le Maître sowie der Städte Richelieu und Nantes. Während sich die Souveränität vor allem mit dem Verhältnis zwischen Regierungssitz und Territorium befasst und die Disziplin einen leeren Raum funktionell und hierarchisch neu gestaltet, geht es der Sicherheit darum, mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten die Bevölkerung in einem gegebenen Raum zu regulieren und ein Milieu zu gestalten.[7]
Bei der Behandlung des Ereignisses stellt er dar, wie Mitte des 18. Jahrhunderts das juridische und disziplinarische System, das den Nahrungsmangel mit Hilfe von Verboten und Überwachung verhindern soll, vom Prinzip des freien Kornumlaufs abgelöst wird, bei dem die Schwankungen zwischen Überfluss und Knappheit nicht mehr verhindert, sondern als gegebene Wirklichkeit in die Planung mit einbezogen werden sollen.
Die Normalisierungsformen der Sicherheit schließlich unterscheiden sich deutlich von denen der Souveränität und der Disziplin. Während es die Funktion des Gesetzes ist, eine Norm zu kodifizieren, setzt die Disziplin eine Norm, an der sie die Individuen ausrichtet. Das Normale der Disziplin ist das, was sich an dieser Norm ausrichten lässt, das Anormale das, bei dem diese Ausrichtung an der Norm nicht funktioniert. Die Sicherheit dagegen nimmt keine Norm, sondern das Normale im Sinne eines Mittelwerts zum Ausgangspunkt. Nicht die Norm bestimmt das Normale, sondern das Normale die Norm.
Zielobjekt und -subjekt der Regulierungsmaßnahmen der Sicherheitsdispositive ist die Bevölkerung, die sich im Zuge dieser Maßnahmen als eigenständige Realität konstituiert.

„Die Bevölkerung als politisches Subjekt, als neues, dem juridischen und politischen Denken der vorangegangenen Jahrhunderte absolut fremdes, kollektives Subjekt [...] ist hier im Begriff, in ihrer Komplexität, mit ihren Zäsuren zutage zu treten. Sie sehen bereits, daß sie ebenso als Objekt zutage tritt, das heißt als das, auf das, gegen das man die Mechanismen lenkt, um eine bestimmte Wirkung auf sie zu erzielen (wie als) Subjekt, da sie es ja ist, von der man verlangt, sich in dieser oder jener Art zu verhalten.“[8]

Die Sicherheitsmechanismen verstehen die Bevölkerung nicht mehr im juridisch-politischen Sinne, sondern als technisch-politisches Objekt. Die Bevölkerung ist nicht mehr eine Menge von Untertanen oder Rechtssubjekten, sondern eine Gesamtheit von Elementen, die analysiert, verwaltet und reguliert werden müssen.[9]
Gleichzeitig werden die Sicherheitsmechanismen nicht mehr von einem Souverän gesteuert, sondern von einer Regierung, was eine neue Form der Regierungskunst erforderlich werden lässt. Am Beispiel von Machiavellis Werk Der Fürst[10] und der Anti-Machiavelli-Literatur stellt Foucault die „Kunst, Fürst zu sein“, der „Kunst des Regierens“ gegenüber.[11] Während bei Machiavelli das Verhältnis des Fürsten zu seinem Fürstentum durch „Singularität, Äußerlichkeit und Transzendenz“[12] bestimmt ist, ist die Kunst des Regierens durch die „[...] Pluralität der Regierungsformen und Immanenz der Regierung im Verhältnis zum Staat [...]“[13] gekennzeichnet. Im 16. Jahrhundert entwickelt die Regierungskunst eine aufsteigende Kontinuität der verschiedenen Regierungsformen: nur wer sich selbst zu führen weiß, wer die Familie und die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Haushalts im Sinne des oikos zu führen weiß, kann überhaupt in der Lage sein, den Staat zu regieren.[14] Die Regierungskunst besteht darin, die Macht im Sinne der Ökonomie auszuüben:

„Einen Staat zu regieren wird also heißen, die Ökonomie anzuwenden, eine Ökonomie auf der Ebene des Staates als Ganzem, das heißt, man wird, was die Einwohner, die Reichtümer, das Verhalten aller und jedes einzelnen betrifft, eine Form von berwachung und Kontrolle ausüben, die nicht weniger aufmerksam ist als die des Familienvaters über die Hausgemeinschaft und ihre Güter.“[15]

Der zentrale Unterschied zwischen der Souveränität und der Regierung liegt jedoch in ihrer unterschiedlichen Zielsetzung. Der Souverän herrscht in erster Linie über ein Territorium und nur vermittelt über die auf diesem Territorium lebenden Untertanen, mit dem selbstbezogenen Ziel, die Souveränität zu erhalten. Die Regierung dagegen bezieht sich nicht in erster Linie auf ein Territorium, sondern auf die Menschen und Dinge, die sie regiert.
Bis zum 18. Jahrhundert kann sich diese Regierungskunst jedoch nicht durchsetzen, da sie von der einseitigen Orientierung auf die Souveränität blockiert ist. Erst durch die demographische Expansion und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion im 18. Jahrhundert werden die Voraussetzungen geschaffen, diese Blockade aufzuheben. Mit Hilfe der Statistik werden demographische Informationen wie beispielsweise Geburt- und Sterberaten, Epidemieverläufe und ökonomisch relevante Verhaltensregelmäßigkeiten gesammelt, die sich nicht mehr auf das Modell der Familie beziehen, sondern die Bevölkerung als eigene Wirklichkeit mit entsprechenden Phänomenen in den Blick nehmen. Mit dem Auftauchen der Bevölkerung als Bezugspunkt der Regierungstätigkeit wird die Familie vom Modell zum Instrument der Machtausübung über die Bevölkerung[16], die Ökonomie wird zur politischen Ökonomie:

„[...] der Übergang von einem Regime, das durch die Strukturen der Souveränität beherrscht ist, zu einem Regime, das durch die Techniken des Regierens beherrscht ist, tritt im 18. Jahrhundert im Kontext der Bevölkerung ein und folglich im Kontext der Geburt der politischen Ökonomie.“[17]

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[zara pfeiffer]

[1] Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 24f.
[2]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 76.
[3]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 22.
[4]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 23.
[5]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 26.
[6]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 26.
[7]
Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 29ff.
[8]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 70.
[9]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 108ff.
[10]
Machiavelli, Niccolò: Der Fürst, Stuttgart: Kröner, 1955.
[11]
Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 140.
[12]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 139.
[13]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 142.
[14]
Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 143.
[15]
Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 144.
[16]
Vgl. Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung, 2006, S. 156ff.
[17] Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevökerung, 2006, S. 159.