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16 Januar, 2009

Michel Foucault: Die Heterotopien / Der utopische Körper

Michel Foucault: Der utopische Körper / Die Heterotopien. Zwei Radiovorträge. Die Heterotopien und Der utopische Körper sind zwei kurze Radiovorträge Michel Foucaults, die 1966 im Rahmen der Sendung Culture française ausgestrahlt wurden. Der Suhrkamp Verlag hat die beiden Texte 2005 in einer kleinen zweisprachigen Ausgabe aufgelegt. Und für alle, die sich nicht die Mühe machen wollen zu lesen, hat der Verlag eine CD mit den beiden Vorträgen im Orginalton beigelegt. (Nicht dass es Mühe machen würde, diese beiden kurzen Texte zu lesen,). Da das gesprochene Worte nicht bis ins letzte verschriftlicht werden kann, ist das Zuhören eine aufschlussreiche Abwechslung. Wobei es durch mangelnde Sprachkenntnisse durchaus erschwert werden kann. Der Text Raum zum Hören von Daniel Defert widerum ist uneingeschränkt lesenswert.

13 August, 2008

seltsame höhle

„Welch seltsame Höhle, die sich nach außen durch zwei Fenster öffnet, da bin ich mir ganz sicher, denn ich kann sie im Spiegel sehen. Und ich kann sie gesondert öffnen. Aber dennoch sind sie wie eine einzige Öffnung, denn ich sehe vor mir nur einzige Landschaft, beständig und ohne Unterbrechung oder Schnitt. Und was geschieht mit den Dingen in diesem Kopf? Sie lassen sich darin nieder. Sie kommen herein – die Dinge dringen in meinen Kopf ein, wenn ich schaue, da bin ich mir ganz sicher, denn wenn die Sonne zu stark ist und mich blendet, zerreißt es mich tief in meinem Hirn. Und dennoch bleiben die Dinge, die da in meinem Kopf eindringen, weiterhin draußen, denn ich sehe sie vor mir, und wenn ich sie erreichen will, muss ich zu ihnen hingehen."
[Foucault, Der utopische Körper]

die gnadenlose topie des körpers

"Mein Körper ist eine gnadenlose Topie. Und wenn ich nun das Glück hätte, mit ihm wie mit einem Schatten zu leben? Wie mit alltäglichen Dingen, die ich gar nicht mehr wahrnehme, weil das Leben sie hat eintönig werden lassen? Wie mit den Schornsteinen und Dächern, die sich abends vor meinem Fenster aneinander reihen? Aber jeden Morgen dieselbe Erscheinung, dieselbe Verletzung. Vor meinen Augen zeichnet sich unausweichlich das Bild ab, das der Spiegel mir aufzwingt: mageres Gesicht, gebeugte Schultern, kurzsichtiger Blick, keine Haare mehr, wirklich nicht schon. Und in dieser hässlichen Schale meines Kopfes, in diesem Käfig, den ich nicht mag, muss ich mich nun zeigen. Durch dieses Gitter muss ich reden, blicken und mich ansehen lassen. In dieser Haut muss ich dahinvegetieren. Mein Körper ist der Ort, von dem es kein Entrinnen gibt, an den ich verdammt bin."
[Michel Foucault: Der utopische Körper]